Ich und Du, Müllers Kuh…

Ich und Du, Müllers Kuh…

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Das Wirrwar aus Sie und Du

Alles ist Kommunikation. Wir kommunizieren immer und zu jeder Zeit, ob wir wollen oder nicht. Wie der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick  einst sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Und damit hatte er vollkommen recht. Egal über welches Medium wir in Kontakt miteinander treten. Die erste Ansprache stellt immer eine Hürde da. Sei es in einer E-Mail, dem Telefonat oder das persönliche Gegenübertreten im Meeting: Die Begrüßung und korrekte Anrede ist immer ein Dilemma. Siezen oder Duzen, das ist hier die Frage.

Schauen wir auf die gegenwärtige Medienwelt, so fallen uns viele Beispiele für eine direkte, distanzfreie und offene Ansprache ein. Das schwedische Unternehmen „Ikea“ setzt schon seit Jahren auf eine aktive Du-Adressierung und hat vor allem beim jungen Publikum einen großen Erfolg zu verschreiben. Das fast ausnahmslose Geduze, ist dabei kein Zeichen von fehlender Erziehung oder dem zwanghaften Versuch freundlich und frisch zu wirken, sondern spiegelt das schwedische Lebensgefühl authentisch wider. Die „Snörrigkeit“ wird in Schweden geschätzt und ist Symbol für ein gleichwertiges und entspanntes Miteinander. „Wohnst Du noch, oder lebst du schon?“ mag vielen Mittvierziger zwar sehr provokativ und frech vorkommen, aber es verkörpert lediglich Schwedens Zeitgeist.

Doch auch regional gibt es einige Unterschiede in der Ansprache. Seien es Kunden, berufliche Kontakte oder Unterhalten zwischen Kollegen. Sie und Du sind bei weitem nicht die einzigen Möglichkeiten sein Gegenüber anzusprechen.

Hamburger Sie:
„Susi, könnten Sie mir eben die E-Mail weiterleiten?“ Diese vor allem in Norddeutschland gängige Methode ist optimal, wenn man sich bereits etwas kennt, sich aber noch nicht vertraut genug ist einander ausschließlich beim Vornamen zu nennen und das Sie + Nachnamen dennoch zu distanziert wirkt.

Münchner Du:
In Süddeutschland wird der Spieß einfach umgedreht: „Frau Meier, kannst Du mir eben die Unterlagen raussuchen?“. Gleiches Schema, selbe Wirkung.

Gute Gründe für ein Du:

  1. Alle sind gleichwertig!
    Das Sie schafft automatisch eine gewisse Distanz zu unserem Gesprächspartner, ob wir dies wollen der nicht. Wir wirken distanziert und nahezu unnahbar, obwohl wir doch alle auf einer Augenhöhe zueinander stehen.
  2. Alte Sitten danken ab.
    Tradition ist schön und gut, doch manchmal darf man sich auch dem Zeitgeist anpassen und mit alten Sitten brechen.
  3. Das Du ist international.
    Schaut man sich die englische Sprache an, ist da ist die Suche nach der korrekten Ansprache denkbar einfach. Wieso sollten wir dies nicht übernehmen? Durch die Verwendung von Vor- oder Nachnamen kann man immer noch die gewünschte Beziehung deutlich erkennbar machen.
  4. Passend zu Medienverhalten.
    Social Media hat uns schneller, demokratischer und unkomplizierter gemacht. Wieso nicht auch durch die Ansprache diese neugewonnene Gleichwertigkeit zeigen?

Gute Gründe für ein Sie:

  1. Standart für den deutschen Gesprächsanfang.
    Ohne schlechtes Gewissen und sich um die Situation viele Gedanke machen zu müssen, kann man jedes Gespräch problemlos mit einem Sie beginnen.
  2. Distanz schafft Respekt.
    Siezen schafft Distanz zu seinem Gegenüber, die vor allem bei wichtigen Gesprächen und Kunden für Ansehen und Respekt sorgen kann. Unüberlegte Äußerungen kommen weitaus seltener vor, wenn man sich der geschäftlichen Lage besinnt und versucht eine gesunde Distanz zu wahren.

Im Endeffekt gibt es viele Möglichkeiten seinen Gesprächspartner zu adressieren. Dabei ist die korrekte Ansprache abhängig von der Branche und dem Alter, sowie der eigenen Selbstwahrnehmung. Niemand würde auf die Idee kommen seinen Arzt zu duzen, da man diesem Respekt entgegen bringen möchte. Genau so ist das Siezen innerhalb der Medien-Welt eine sehr rare Angelegenheit, da die Intimität und kreative Arbeitswelt sich nicht mit umständlichen Floskeln aufhalten möchte.


Bei der nächsten Kontaktaufnahme oder der ersten Ansprache einfach darauf achten, welche Signale und Philosophie Ihr Gegenüber verfolgt und lebt, so lassen sich viele aufwendige Überlegungen beiseite schaffen und man kann ungezwungen gemeinsame Ziele realisieren.

F. K.

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Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken, war gestern. Story-Teller von Kopf bis Fuß. Jung.Ehrlich.Nicht auf den Mund gefallen.

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